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DA Echo 07.11.2008 Infomarkt zur Medienwelt im Schulzentrum Marienhöhe

„Das Leben ist vielfältiger“

„Das Leben ist vielfältiger“
Kommunikationstechnik: Infomarkt zur Medienwelt im Schulzentrum Marienhöhe – Sinnvoller Einsatz, kritische Distanz

"Medienkompetenz ist ein Aspekt der Lebenskompetenz“, brachte Mathematiker, Physiker und Waldorflehrer Edwin Hübner Risiko und Faszination elektronischer Medien auf den Punkt. „Man muss lesen wollen, Interesse an Forschungsfragen entwickeln, muss kritisch fragen und diszipliniert arbeiten, um Online-Medien sinnvoll zu nutzen.“ Anfällig für Mediensucht seien junge Leute, die dem konkreten Leben nicht gewachsen seien, erklärte Hübner beim Medien-Infomarkt des Arbeitskreises Schulen in freier Trägerschaft und des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft der Unternehmerverbände Südhessen.

Längst nicht alle Plätze im Gemeindezentrum des Schulzentrums Marienhöhe waren besetzt, als man sich am Mittwochnachmittag des Themas „Umgang mit Medien – Kompetenz und Konsum“ annahm. Organisatorisch begleitet wurde die Veranstaltung von der Software AG Stiftung.

„Unsere Schüler haben ein mediales Umfeld – davon können wir nicht absehen“, unterstrich Montessori-Vorstand Walter König die Brisanz der Auseinandersetzung. Reinhold Stämmler sagte: „Die wissensbasierte Welt wäre ohne Kommunikationstechnologie nicht da, wo sie heute ist. Medienkompetenz ist eine unerlässliche Schlüsselqualifikation. Dabei sollten Chancen genutzt und Risiken erkannt werden.“

Gemeinsam ist den Vertretern der Freien Schulen kritische Distanz beim Umgang mit elektronischen Medien. Achim Ulrich, Geschäftsführer des gastgebenden Schulzentrums, nannte als Ziel, „mündige Schüler mit hoher Sozialkompetenz heranzuziehen.“ Frank Eberhard vom Vorstand der Freien Montessorischule sagte: „Computer werden zielgerichtet als Werkzeug eingesetzt. Sie sind eine von vielen Möglichkeiten individuellen Lernens.“ Im Grundschulalter stehe aber haptisches Erleben im Vordergrund – Schreiben mit dem Stift, Malen mit Fingern, Pinseln und anderem.

Ähnlich argumentierten die Pädagogen der Freien Walldorfschule. Physiklehrer Dietrich Balser sprach von der „Janusköpfigkeit“ des Computers – er beinhalte Welterweiterung ebenso wie Gefahr. „Im Angebot unserer Schule ist der Computer nur eine Facette von vielen. Musik, Naturerfahrung, Handwerk, Eurythmie und Kommunikation sprechen andere Seiten an.“ Dadurch gelinge es, Resistenz gegenüber medialen Versuchungen aufzubauen, sagte Iris Holtz-Eberle. Kollegin Solveig Dorike fügte hinzu: „Schließlich begreifen die Schüler: Der Rechner ist eigentlich vollkommen blöd. Er kann nur Ja und Nein – das Leben aber ist vielfältiger.“

Vom „Entzaubern der Zauberkästen“ sprach Jutta Höhl, Informatikerin und Mutter an der Freien Comenius Schule. Eine computerfreie Insel sei nirgendwo mehr möglich. In Arbeitsgemeinschaften würden Computer auch mal aufgeschraubt und zerlegt. „Auf diese Art verlieren Kinder unbegründeten Respekt als auch Ängste. Das Ding tut nur, was wir in Auftrag geben“, sagte Höhl.

lot
7.11.2008

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